2RadChaoten.com Stories Mountainbike Berichte 2005 Transcarpatia


Der Tanz durch die Karpaten - 7 Tage, 420km u. 12500hm

Und wieder sind es zwei 2RadChaoten, die sich aufmachen, um neue unbekannte Welten zu entdecken. Dieses mal wagen sich NoTri und NoRmal tief hinein in die polnischen Waldkarpaten und werden dort versuchen während ihres 7tägigen Rennaufenthalts nicht verloren zu gehen. Bei diesem Etappenrennen über 420km und 12500hm von der Ukrainischen Grenze bis nach Zakopane, handelt es sich nämlich um eine Art Orientierungsrennen. Und von so etwas haben sie nun wirklich keine Ahnung.

Die beiden finsteren Gestalten im Hintergrund bleiben zu Hause.

Ergebnisse und weitere Informationen ueber das Rennen befinden sich unter www.transcarpatia.org

Stage 1 and 2 - Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm

Ein Wahnsinn, so etwas Anstrengendes hat, glaub ich, noch nie jemand durchmachen dürfen, müssen wahrscheinlich schon. Gregor meinte, dass er nach der letzten Etappe der Croco-Trophy nicht so "anpeckt" war wie hier nach der zweiten. Selbiges gilt für mich. 8 Tage Cape-Epic san a "Lercherlschass". Dazu kommt, dass du einen Tagessieg, natürlich auch das Gesamtklassement, nur gewinnen kannst, wenn du "clever und schnell" bist - genau in dieser Reihenfolge. Schnell sein alleine reicht auf keinen Fall aus.
Bisher waren wir nur schnell. Die Cleverness kommt hoffentlich noch, sonst wird die ganze Sache noch mehr frustrierend, als es sowieso schon ist.
Kurz zur Erklärung dieses Rennens: Am Vorabend erhält jedes Team eine detailgenaue Wanderkarte auf der der angeblich beste Weg zum Ziel eingezeichnet ist, aber nicht markiert. Auf diesem Weg befinden sich Checkpoints, die unbedingt passiert werden müssen, egal von welcher Seite. Zwischen den Checkpoints darf jedes Team den Weg frei wählen, genau da liegt (für uns) das Problem....

Gestern hatten wir 10km vor dem Ziel einen Vorsprung auf das folgende Team von über 10 Minuten. Nach einem einstündigen Gewaltmarsch durch hüfthohe Himbeersträucher - der den anderen erspart blieb, da die Strecke die wir genommen hatten, unmittelbar nach unserer Durchfahrt geschlossen wurde - erreichten wir das Ziel mit 1h15min Rückstand auf die Sieger als 13. Nach heftigen Diskussionen mit der Rennleitung wurden wir auf Rang 4, mit 13min Rückstand auf die Sieger, nach vorne gereiht. Fahrzeit für 72km und 1500hm 4h32min.
Heute fühlten wir uns wieder stark, hatten vom Start weg die Führung inne und erfreuten uns an der wirklich sau geilen Strecke, die durchwegs über technische Wurzelsingeltrails führte und dies in nahezu unberührter Natur. Nur die Bergaufstücke waren leider die meiste Zeit zum Schieben. Doch am Ende waren wir wieder nicht clever genug. Irgendwie fanden einige hinter uns liegende Teams wieder den besseren Weg, und eines davon - die Vorjahressieger - schnappte uns den Sieg noch weg. Den zweiten Tagesrang konnten wir, total erschöpft, noch ins Ziel retten. Fahrzeit für 49km und 1200hm 3h45min. Warum so lange, dass steht in der Überschrift. In der Gesamtwertung liegen wir nun auf Rang 3.


Der groesste Swimmingpool, den wir je gesehen haben


Eine fuer die Region typische Holzkirche.


Die Ersten erhielten noch geraumige Zelte, die etwas Spaeteren einen Platz in der Turnhalle und...


die Letzten mussten am Gang schlafen!


Bereits 150m nach dem Start haben wir uns verfahren und mussten den ersten Anstieg als letzte in Angriff nehmen


Voller Zuversicht!

Stage 3 - Cleverness kommt nicht über nacht

Nachdem jedes Team die Karte für den nächsten Tag erhalten hat wird stundenlang über die beste Route nachgedacht. Was wir mittlerweile begriffen haben ist, dass sich nach längerer und genauerer Betrachtung viele Möglichkeiten auftun, die dann diskutiert werden müssen. Endlich auf einen Weg geeinigt gehst du davon aus, dass dieser mit Sicherheit der schnellste und beste ist. Und dann passiert so etwas wie heute morgen! Die eine Hälfte des Fahrerfeldes schickt sich an nach links wegzufahren, während die andere Hälfte sich für rechts entschieden hat. Gregor und ich blickten uns an, zogen hektisch die Karte aus der Trikotasche und versuchten den Weg ausfindig zu machen, welchen die anderen anstrebten. Nach kurzem hin und her entschieden wir uns für unsere Variante, weil wir überzeugt waren die bessere gefunden zu haben. Und so teilte sich das Fahrerfeld nach der Startfreigabe in zwei Hälften. Keines der mitfavorisierten Teams folgte uns und so dachte ich, heute schlagen wir ihnen ein Schnippchen. Es hätte auch funktionieren können, wenn wir uns nicht bereits nach 5km zum ersten mal verfahren hätten, wenn wir nach 30km den richtigen Weg gefunden hätten und nicht wieder quer durch den Wald laufen hätten müssen, wenn wir nicht einen Platten gehabt hätten und durch unsere mittlerweile große Verunsicherung die Diskussionen über die Weiterfahrt uns so lange aufgehalten hätten. Es hätte wirklich gelingen können. So erreichten wir leider 37min hinter den Siegern als 12. Platzierte das Ziel und fielen auch im Gesamtklassement um einen Rang zurück. Aber es stehen ja noch 4 Etappen aus, bei denen wir ja wieder versuchen können den Anderen ein Schnippchen zu schlagen.
Ausschauen tun wir wie kleine Kinder. Zerschunden, aufgeschert und blaue Flecken überall am Körper.


Einer der extrem geilen Downhills, den meistens nur wir gewaehlt haben.


Schiacher kaun ma echt nimma ausschauen


Waehrend der ersten drei Tage sah die Strecke meist so aus!


Auch am Start herrschte ueber den optimalen Weg keine Einigkeit

Stage 4 and 5 and Aus - The Master of Disaster

Es ist einfach zum Haarerauffen. Auch am 5. Tag haben wir nicht aus unseren Fehlern gelernt! Freuten wir uns gestern noch über unseren 3. Tagesrang Zeitgleich mit den Gewinnern vom Kellys-Pro-Team (welches sich aus den polnischen Marathonmeistern über die Kurz- und der Langdistanz zusammensetzt), so saßen wir heute, zur Zeit als die ersten das Etappenziel erreichten, wie ein Häufchen Elend 25km vom Tagesziel entfernt in einer Pizzeria und ließen unsere Köpfe hängen. Wir Koffern haben uns wieder mal völlig verkoffert und dabei alles verloren.
Eigentlich hätten wir uns heute nur mehr an das GPS-Team (so haben es wir genannt, weil deren Name für uns unaussprechlich ist) anhängen müssen. Durch kluge Navigation erreichten diese die einzelnen Tagesankünfte jeweils sehr weit vorne platziert. Zusätzlich sparten sie dabei auch noch Kraft und lagen im Gesamtklassement auf Rang 2, einen Platz vor uns. Hätten wir uns bloß mit dem 3. zufrieden gegeben.
Doch zu Beginn der 5. Etappe hatten wir gleich 600hm in einem Stück zu bewältigen, was uns entgegen kam und wir daher unseren Vorsatz, sich an das GPS-Team anzuhängen, fallen ließen und dem Gipfel entgegenstiefelten. Dabei war nur das Kellys-Team in der Lage uns zu folgen. Gemeinsam mit ihnen und einem dritten Team, welches durch eine kurze Wartephase zu uns aufschließen konnte, fighteten wir dem Ziel entgegen und vergrößerten dabei den Vorsprung auf unsere Verfolger. Nach Checkpoint 3 und einem extrem steilen Betonanstieg waren wir nur mehr mit den Kellys alleine an der Spitze und rechneten bereits mit dem verdienten Tagessieg, da dem 5. Checkpoint angeblich ein sehr schwieriger Singeltrail bis ins Ziel folgen sollte und wir die weit aus besseren Abfahrer waren als die Kellys-Guys.
Jedoch nach ca. 50km bemerkten wir, dass wir den Checkpoint 4 irgendwie verpasst haben müssen. Auf der Suche nach diesem trennten sich unsere Wege. Verzweifelt versuchten wir uns zu orientieren, da wir bis zu diesem Punkt nur nachgefahren waren. Wir schafften es sogar Punkt 4 zu finden, sogar vor den Kellys, die uns bei der anschließenden Abfahrt bergauf entgegen kamen. Trotzdem waren wir nicht die Ersten die diesen Punkt passierten. Zwei andere Teams fanden sich besser zurecht, darunter natürlich auch das GPS-Team, und lagen vor uns.


Am 2. Tag 2. am 4. Tag 3. Fuer den 5. Tag sollte ein 1. herausschauen.


Woody "das Maedchen fuer alles". Er war echt um alle bemueht.

Eigentlich hätten wir nur mehr dem Rot markierten Wanderweg folgen brauchen der uns direkt zum Zielbogen geführt hätte und wir wären als 3., vielleicht auch noch als 2. angekommen. Doch am Morgen gab uns Woody, das „Mädchen für alles“ und die Ansprechperson für die nicht polnisch sprechenden Teilnehmer, einen „guten“ Tipp. Wir sollten nicht den Rot markierten Weg nehmen, sondern einen parallel dazu führenden Forstweg und anschließend den blauen Downhill, weil wir als gute Abfahrer dort sehr viel Zeit herausholen könnten. Und wir folgten seinem Rat. Nur leider wurde uns dieser zum totalen Verhängnis. Zum einen konnten wir den Weg nicht sofort finden, als wir ihn gefunden hatten verfuhren wir uns bei einer Weggabelung, es dauerte sehr lange bis wir diesen Irrtum bemerkten und als wir uns zu orientieren versuchten bemerkten wir, dass wir unsere Karte verloren hatten. So standen wir alleine und verloren im Wald und wussten nicht wohin.
Je länger wir nach dem richtigen Weg suchten desto mehr verirrten wir uns. Irgendwann stießen wir wieder auf Zivilisation, nur diese befand sich mehr als 30km von unserem Tagesziel entfernt. Frustriert und über unsere unglaubliche Dummheit diskutierend radelnden wir bis zum nächsten Ort und kehrten in der oben genannten Pizzeria ein.

Wen es interessiert, es folgen noch Tipps wie man sich am besten auf dieses Rennen vorbereitet, um das Ziel zu erreichen. Ich (und ich glaub auch Gregor) will nächstes Jahr wieder kommen, besser vorbereitet und die Fehler analysiert. Die Landschaft ist hier so wunderbar herrlich, die Strecke ein Genuss für Mountainbiker und die Polen die Freundlichkeit in Person. Bis dann!


Nach unserem Ausstieg goennte ich mir eine entspannende Flossfahrt durch die herrliche Landschaft der Karpaten.

Tipps und Tricks um das Rennen zumindest zu beenden!

Es zahlt sich auf jeden Fall aus an diesem Rennen teilzunehmen. Die Landschaft ist herrlich und romantisch. Es dürfen Trails befahren werden, bei denen dich zu hause die Jäger vom Radl schießen. Die Teilnehmer und Organisatoren sind unglaublich nett, Zakopane ist nur 4einhalb Autostunden von Wien entfernt und außerdem ist es mal was ganz anderes!

1. Lerne bestimmte Phrasen auf polnisch (geht’s da nach…?, wo ist…?, usw.). Zumindest erkundige dich, wie man die Ortsnamen und wichtigsten Punkte richtig ausspricht.

2. Lerne eine detailgenaue Karte zu lesen und trainiere danach zu fahren!

3. Nicht immer ist der kürzeste Weg der schnellste! Um vorne mitfahren zu können achte auf asphaltierte Verkehrswege und rechne dir die mögliche Durchschnittsgeschwindigkeit aus. Teilnehmer, die das ganze nur als Abenteuer sehen sollen den vorgeschlagenen Weg nehmen, denn der ist landschaftlich reizvoller als die Straße.

4. Verwende ein GPS. Mache dich damit vertraut.

5. Immer einen zweiten Plan mitnehmen. Plan kann verloren gehen, oder durch Nässe unleserlich werden. Ohne Plan bist du verloren!

6. Besprich dich mit anderen Teilnehmern, aber nicht mit deinen unmittelbaren Gegnern – die schlagen dir mit Sicherheit den falschen Weg vor.

7. Vertraue in der Routenwahl niemanden außer dir selber (nicht einmal Leuten vom Organisationsteam)!

8. Hast du dich einmal verfahren, radle zum letzten Punkt zurück, von dem du weißt, dass der am richtigen Weg liegt.

Auf weitere Fragen geben NoTri (Gregor) und NoRmal (Laurenz) euch gerne Auskunft. Wir sind im nächsten Jahr wieder dabei.

Impressionen






















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