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Jakobsweg per Bike 17.-30.8.2009

Cap Fisterre an der spanischen Atlantikküste (vom Lateinischen Finis terrae-das Ende der Welt), seit jeher Platz wo Altes endet und Neues beginnt.
Aber bis dahin wars ein weiter Weg:



Koreanische Radpilger mit unfassbar einfachem Material unterwegs


Die Idee, den spanischen Jakobsweg mit dem MTB zu befahren, keimte zu später Stunde völlig überarbeit in einem Nachtdienst. Nach kurzer Recherche im Internet, fiel mir sofort die hompage: jakobsweg-rad.com auf, die mich mit den notwendigen Infos ausstattete.
Anfängliche Zweifel, wie zB "Ist es sinnvoll, so was alleine zu machen?", wurden unter anderem auch durch ein Gespräch mit einer Schwester im Kinderspital beseitigt, die den Weg zufuß bewältigte. Sie meinte "Auf dem Jakobsweg ist niemand alleine"; was sehr trefflich auch auf einem der Souvenir-T-Shirts in Santiago de Compostela ausgedrückt wird: "You never walk alone!".
Meine Motivationen, diese Reise zu machen, könnte man im Kurzen als zu je einem Drittel: Sportliche Herausforderung, Abenteuerlust und Spirituelle Selbsterfahrung zusammenfassen.
Mit den notwendigsten Kleinigkeiten, verpackt in Fahrradpacktaschen und einem kleinen Rucksack, ausgestattet, konnte es also am 17.08.2009 losgehen.



Matteo Chatrian

Der Flug ging über Mallorca nach Bilbao, wo meine Euphorie gleich einmal deutlich dadurch gedämpft wurde, dass mein Bike satte 20h zu spät ankam, und mein Zeitplan zu wackeln begann. Für zwei Wochen Urlaub hatte ich ja doch viel vor.


Die Steintürmchen am Wegesrand symbolisieren die abgelegte Sorgenlast der Pilger



Doch am nächsten Tag konnte ich jubelnd meinen Karton entgegennehmen, dann schnell das Radl zusammengeschraubt, Gepäck montiert, und dann als Prolog ein Fast-Zeitfahren über 12km zum Busbahnhof, um den Bus nach Pamplona nicht zu verpassen.





Dann im Bus erstmals so richtig das Gefühl "So. jetzt kanns bald losgehen".
In Pamplona, dem Ausgangspunkt meiner Fahrt, ausgestiegen, fühlte sich gleich mal die Temperatur von fast 40Grad im Schatten, wie ein glühender Umhang an.
Ab in einen Park, umgezogen, die ersten Fotos gemacht, und dann das emotionale Zusammentreffen mit dem ersten Hinweisschild des Jakobsweges, eine blaue Tafel mit dem Zeichen der Jakobsmuschel und ein stilisierter Pilger mit Stab und Rucksack. Diese Schilder, teilweise auch Fließen auf Häusern oder auch nur schwer zu findende gelbe Pfeile vor allem in den Großstädten, sollten mich (uns) in den nächsten 10Tag begleiten.
Sagte ich uns? Am zweiten Tag traf ich Matteo, einen Norditaliener von der Schweizer Grenze (25km vom Matterhorn entfernt) mit dem ich die folgenden 7 Tage den Weg teilte. So bekam für mich der Begriff "Gefährte" einen ganz neuen Stellenwert.
Die unzähligen atemberaubenden Naturerlebnisse, gemeinsamen Übernachtungen in Herbergen, emotionalen Begegnungen mit Pilgern aus aller Herren Länder, aufzuzählen, würden den Rahmen dieser Erzählung völlig sprengen.
Erwähnen möchte ich nur, dass es unglaublich verbindet, mit Leuten unterwegs zu sein, die das gleiche Ziel haben.
So führten uns 9 Etappen über die Übernachtungorte Estella, Santo-Domingo, Burgos, Carrion, Leon, Rabanal, Alto de Poio und Pallas de Rei nach Santiago de Compostela.


Nach 100 km Schotterpiste waren die Waden weiß paniert


Von meinem Radführer (bikeline) wusste ich, dass es für unwegsame Abschnitte Alternativrouten auf Asphalt gab. Jedoch blieb ich immer auf dem Originalen Weg=Cammino, der mich jedoch öfter mal auch zum Absteigen und Schieben zwang. So wundert mich ein Over-all-Schnitt von nur 15 km/h kaum.
Die Ankunft in Santiago wurde dann gebührend mit einigen Bieren am Platz vor der Kathedrale bis spät in die Nacht gefeiert. (hierbei dürfte ich mir die Bronchitis, die mich jetzt eine Woche nach der Reise immer noch beschäftigt, geholt haben).
Am nächsten Tag, dem ersten Pausetag: Ausrasten, Seele baumeln lassen und Besuch der Pilgermesse in der Kathedrale, wo die berühmte fast 100 kg schwere Weihrauch-Laterne fast bis an die Decke des Querschiffs geschwänkt wird.
Jetzt hieß es Lebewohl zu Matteo zu sagen, der schon seine Heimreise antreten musste.
Mich sollte der Weg noch zum Cap Fisterre führen. Zum Glück konnte ich 90 Prozent meines Gepäcks in Santiago lassen, und die letzten 100km mit 1800hm, noch unwegsamer als der bisherige Weg, unbeschwert fahren. Ein wunderschöner Epilog, auf dem ich nur noch die wahren Pilger antraf, nicht mehr so viele Touristen, wie auf den letzten 100 km des eigentlichen Weges.
Beim Leuchtturm des Cap Fisterre verbrennen die Pilger dann ihren Wanderstab und sonstige Dinge, die sie nicht mehr brauchen, um damit ihren Weg zu besiegeln.
Weiters bekommt man dort nach der Compostela von Santiago die zweite Pilgerurkunde gegen Vorweis aller Stempel (die man in Herbergen, Kirchen, Klöstern etc gesammelt hat).
Den vorletzten Tag meines Urlaubs verbrachte ich am Atlantikstrand, bevor es dann via Bus wieder nach Santiago und dann ab in die Heimat ging.


Im Gebirge kurz nach dem Cruz de Ferro ca. 1500 m über dem Meer


Bleibende Eindrücke....


In Santiago de Compostela vor der Kathedrale



Kilometer-Stein Null

Neben solch schönen Erlebnissen stehen die Hard-facts fast nebensächlich:

860km Gelände in 10Tagen
12000hm
Avg-Speed 15km/h
Gepäcksgewicht: ca 8kg (auf meinem 12.5kg KTM-Bike.).

So bleibt mir nur noch, alle zu bestärken, die einmal ähnliches unternehmen wollen. Macht es, macht es bald und am besten alleine!

Buon Cammino!

 Für Nachahmer der Link zum Jakobsweg


Text: NoCoke, Pics: NoCoke



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