2RadChaoten.com Stories Mountainbike Berichte 2005 Cape Epic 2005


Cape-Epic 2005

Nun ist es bald wieder soweit. Am 2. April fällt in Südafrika der Startschuss für die diesjährige Cape-Epic. 8 Etappen mit einer Gesamtlänge von 902km und 16100hm führen uns von Knysna entlang der Gardenroute durch die unterschiedlichsten Vegetationsgebiete bis nach Spier, einem malerischen Weinort 40km vor Kapstadt gelegen.

Nach dem letztjährigen 6. Gesamtrang ist die Motivation groß heuer ein ähnliches Resultat zu erreichen. Die Vorzeichen aber sind ungleich schwerer. Am Start stehen heuer die Stars der Stars der Mountainbikeszene. So bestreitet z.B. Bart Brentjens (Olympiasieger aus Atlanta und letztjähriger Bronzemedaillengewinner) gemeinsam mit Roel Paulissen (der derzeitigen Nummer 1 im UCI-Worldranking) dieses Rennen. Neben ihnen startet auch der Gesamtsieger des Crosscountryworldcups 2004 Christoph Sauser mit Fredrik Kessiakoff, auch keinem Unbekannten in der Szene. Da scheinen die Namen Karl Platt (Sieger der Cape-Epic 2004, mehrmaliger Sieger der Transalp und der Transrockies) und der seines Partners Carsten Bresser (hat ungefähr das Selbe erreicht) fast zu Statisten degradiert zu werden, wären da nicht noch weitere 270 Paare am Start. Und zu diesen zählen auch wir.

Rene Reidinger und Laurenz Hofstadler von den Arrow/2RadChaoten.com (deren Erfolge aufzuzählen müßig wäre - zu viele sind es). Gut vorbereitet und stark trainiert gehen wir zuversichtlich in dieses Rennen und hoffen in diesem Weltklassefeld bestehen zu können.

Natürlich gibt es wie letztes Jahr einen täglichen Bericht im Internet, wo Freuden und Leiden, Erfolge und Misserfolge genauestens geschildert und durch Fotos dokumentiert werden. Zu finden ist dieser Bericht unter www.2radchaoten.com - Tagebuch Cape-Epic, oder unter www.bikeboard.at wo ein Link den Bericht für euch öffnet.

Grüße, Laurenz (NoRmal alias NoNose) und Rene (NoBrain)

Die Tage 3 und 2 vorm Start

Nach 30 Stunden Dauersitzen (Rene noch länger) sind wir gut in Knysna angekommen. Den "Check In" passierten wir heuer ganz ohne Probleme. Abflug 11 Uhr, Zwischenlandung in Frankfurt (6 Stunden Aufenthalt) - Zeitvertreib durch Spinningtraining auf den flughafeneigenen Spinningklapprädern (special Service für Radsportler), Zeitung lesen und Bier trinken. Pünktlicher Weiterflug um 19:00. Im Flugzeug 7 Reihen Vorsprung auf Bresser/Platt (Foto) und 14 Reihen auf Brentjens/Paulissen herausgeholt. Leider haben wir den Vorsprung am Terminal in Kapstadt wieder verspielt. Liegen aber nun gleich auf und haben immer noch Chancen das Rennen für uns zu entscheiden.

Das reservierte Auto, welches uns nach Knysna bringen sollte, war entweder für eine Person, oder für ein paar Gebäckstücke zu klein. Daher musste eine Münze entscheiden wer oder was zurückbleiben musste. Der Verlierer war Rene. Eh schon leicht verschnupft und nun das noch! Zum Glück erbarmten sich die deutschen Favoriten und nahmen den verwirrten Anhalter in ihrem Wohnmobil mit. Nur Wohnmobile haben die Angewohnheit nicht besonders schnell zu sein und daher kam Rene auf insgesamt 35 Stunden Dauersitzen. Nun herrscht große Vorfreude auf das Abendessen und die auch in Südafrika gebrauten spezial Elektrolytgetränke, die Rene und ich so besonders gerne trinken.





Noch 15 Stunden bis zum Start – alles nur kein Schonprogramm

Wären es noch 63 Stunden bis zum Start dann könnten wir die Taucherbrillen und Schwimmflossen wieder zurückgeben die wir uns heute kaufen mussten. Es regnet seit Stunden nämlich nicht nur "Cats and Dogs" wie man so schön sagt, sondern "Elefanten und Nilpferde", oder noch genauer "The big five", auf die wir im Übrigen auf der fünften Etappe wirklich treffen werden, nämlich bei der Durchquerung des "Sanbona privat game reserve". Die Wettervorhersage verspricht für morgen eine Zunahme des Regens, obwohl man sich das gar nicht mehr vorstellen kann, aber eben in 63 Stunden soll die Sonne ja wieder hervorkommen. Was für eine erfreuliche Aussicht! Man muss positiv denken und da wir aufs Wetter sowieso keinen Einfluss haben, versuchen wir daher uns einfach darüber zu freuen und denken erwartungsvoll auf das schöne, warme Zelt welches wir morgen nach der Überquerung der Ziellinie beziehen werden. Hoffentlich hilft der Komfort dieses Zeltes endlich René´s hartnäckigen Schnupfen und leichten grippalen Infekt zu vertreiben, denn die Konkurrenz meinte, dass sie nicht auf uns warten würde, weil eine Krankheit sei kein Renndefekt. Aber geh!!

Trotzdem werde ich in den verbleibenden 15 Stunden bis zum Start mit Antiregentänzen, Yoga und suggestiven Gebetsformeln versuchen Rene zu heilen und den Regen aufhören zu lassen.


ein Zug


Brentjens & Paulissen


Quays


Lagoon

Tag 1 - Welcome back to reality

Also heute haben wir deutlich gemerkt, dass es Unterschiede zwischen Profis und Hobbiesten gibt. Brentjens/Paulissen fuhren den ersten Anstieg hoch als wäre er flach, möglicherweise saßen sie aber auch auf einem Motorrad, wer weiß. Auf jeden Fall wurden diese beiden nach diesem Anstieg während der gesamten 128km und 2960hm von ihrer Konkurrenz nicht mehr gesehen und gewannen überlegen mit 10 min Vorsprung auf Sauser/Kessiakoff diese Etappe.

Was uns angeht, na ja! Der Antiregentanz vom Vortag hat geholfen, sogar zuviel des Guten, es wurde nämlich verdammt heiß. Nur meine suggestiven Gebetsformeln Renes Gesundheit betreffend wirkten nicht hundertprozentig. Am Vorabend des Starts noch mit Fieber im Bett quälte sich Rene die ersten drei Stunden mit wirklich schmerzverzerrtem Gesicht über die tiefen Böden und klitschigen Anstiege und Abfahrten, die der Regen hinterlassen hat. Einzig die Schönheit der Natur, die wirklich atemberaubend war (also eine Reise hierher, oder besser noch, das Rennen selber bestreiten kann ich nur jedem empfehlen) konnte seine Miene zu einem Lächeln verleiten. Nach und nach mussten wir Gruppen oder Paare ziehen lassen, doch nach drei Stunden schien der alte Kämpfer seine Kräfte und seine Gesundheit wieder zurück zu gewinnen, und das Rad begann zu laufen. Natürlich spürst du nach dieser Fahrzeit, noch mehr nach vier Stunden und noch viel, viel mehr nach fünf Stunden deine Glieder und Muskeln. Krämpfe begannen sich anzukündigen, die Sonne war erbarmungslos, der Hunger wurde immer größer und trotzdem holten wir uns einige der Paare, die uns zuvor stehen gelassen hatten wieder zurück. Beide nun völlig fertig erreichten wir nach 5 Stunden 30 Minuten als 18. das Ziel und verloren mit dieser Zeit exakt eine Stunde und 7 Minuten auf die Sieger. Rene fühlt sich nun wohl, zumindest wohler als heute morgen, und so blicken wir zuversichtlich auf die morgige Etappe, die mit 145km und ebenfalls ca. 2700hm die längste der Cape-Epic sein wird.

Ach so, was ich noch sagen wollte: nicht nur die weltbesten Fahrer sind am Start, sondern auch um 40% mehr Teilnehmer. D.h. heute Morgen befanden sich 866 Fahrer, sprich 433 Paare am Start. Wie viele es morgen sein werden steht noch in dem neuerlich wolkenverhangenen Himmel.
Und noch was hätt ich fast vergessen: Roan und Petr wurden mit einer Zeit von 5:01:irgendwas gesamt 7.


Anstieg im Nebel


Downhill im Wald

Tag 2 – „the survival of the fittest“

Um diesem Tag etwas Positives für uns abzugewinnen, bedarf es schon einer ziemlich guten Vorstellungskraft. "The survival of the fittest", wie Darwin's Theorie heißt, möchte man leichtfertig analog für den heutigen Tag anwenden.

145km und 2770hm bei 30 Grad, ohne einen Schatten spendenden Baum, ließen diese Etappe für viele zu Stunden des Leidens werden.

Vor allem aber Rene erlebte heute den schwärzesten Tag seines Lebens, wie er selber zwischendurch bemerkte. Offensichtlich immer noch unter den Nachwirkungen seiner Erkrankung leidend und der dazukommenden Sonnenunverträglichkeit, brach er nach ca. 40km völlig ein und konnte sich anschließend nicht mehr erholen. Jede von hinten aufschließende Gruppe mussten wir ziehen lassen, und so befanden wir uns während der gesamten 145km mehrheitlich alleine auf der Strecke. Ich für meinen Teil konnte während dieser sozialen Eintönigkeit wenigstens die abwechslungsreiche und herrliche Landschaft genießen. Rene, glaube ich, hatte zu jeder Sekunde die Aufgabe im Kopf. Nach 6h46min, eineinhalb Stunden hinter den Siegern Sauser/Kessiakoff, die in einem Sprintfinish Brentjens/Paulissen und Platt/Bresser hinter sich lassen konnten, erreichten wir, von der Sonne gezeichnet als Irgendwievielste das erlösende Ziel in Herbertsdale.

Nach diesem Rückfall müssen wir uns für die kommenden Tage neue Ziele stecken. Mit einem Gesamtrang unter den Top15 wird's wohl nichts mehr. So versuchen wir uns, vor allem aber Rene, auf der morgigen Etappe psychisch und physisch zu erholen, um möglicherweise auf der einen oder der anderen Etappe ein gutes Tagesergebnis herausfahren zu können.

"Shit happens", um es salopp auszudrücken, manche Dinge können einfach nicht geändert werden! Um bei einem Rennen dieser Größenordnung vorne mit dabei zu sein, muss halt alles zusammen passen. Wenn du dann, beeinträchtigt durch eine Krankheit, nicht fitt dieses Unternehmen angehst, dann ist's schwer zu überleben, oder du trittst kürzer.

So erfreuen wir uns an der auch heuer wieder perfekten Organisation, der wunderschönen Streckenführung, durch Landschaften wo man gewillt ist abzusteigen, um eine Weile an solch einem Ort zu verweilen und an dem herrlichen Wetter, welches der Antiregentanz vom ersten Tag uns geschenkt hat.

Im Übrigen findet ihr alle Ergebnisse unter www.cape-epic.com. Und dort steht auch wie ausgezeichnet sich Roan Exelby gemeinsam mit seinem tschechischen Partner Petr Cirkl schlägt, nämlich fabulös (wie Insider sagen).


Roan Exelby


Morgen im Lager


Zwei starke Belgier und ein unglaublich starker Roan


Ziel in Riversdale

Tag 3 - Tag der Erholung?

Riversdale, der heutige Etappenort, war auch schon im letzten Jahr für einen Tag unser Gastgeber. Hier wird jeder Teilnehmer von hunderten Schulkindern wie ein Gewinner empfangen. Dicht gedrängt stehen sie links und rechts der Absperrgitter, die einem die letzten 200m Meter ins Ziel weisen, winken und jubeln und holen sich anschließend Autogramme von jedem Finisher. Eigentlich wird die gesamte Strecke von zahlreichen Menschen gesäumt. Kaum hören oder sehen sie, dass sich eine Gruppe von Bikern ihrem Grundstück nähert stürmen dessen Bewohner auf die Straße und motivieren jeden Vorbeifahrenden mit ihrem Lächeln und Anfeuerungsrufen. Bei manchen hilft es, andere freuen sich einfach nur darüber und quälen sich die Strecke weiter und weiter, in der Hoffnung den Zielbogen bald vor Augen zu haben.

Gestartet wurde heute um 8 Uhr früh im Nebel. Vor uns lagen 104km und 1480hm - also eine Flachetappe. Nach 9km neutralisiertem Start ging unmittelbar nach der Freigabe vorne die Post ab. Nichts war es mit der angekündigten Erholungsfahrt für Body and Soul. Einmal im Rennen beginnt das Rennfahrerherz zu schlagen und damit ist es fast unmöglich das Tempo zurückzunehmen, um locker dem Ziel entgegen zu rollen. Vor allem bei einer Etappe wie dieser, bei der der Großteil der Strecke nahezu flach war und die Ausnützung des Windschattens des Vordermanns einen erheblichen Vorteil einbringt, nimmt man ungern das Tempo zurück und wartet freiwillig auf die nächste Gruppe.

Die meiste Zeit bewegten wir uns durch steppenartiges Gelände, entlang eines Gebirgszuges der die sonst karg wirkende Landschaft prägte.
Wir befanden uns in einer sehr starken Gruppe und konnten deren angeschlagenes Tempo am Beginn locker mitfahren. Nach ca. 60km hatte Rene leider einen Platten, der uns den Anschluss an diese Gruppe kostete. Aber nicht nur beim Reifen war die Luft draußen, sondern auch aus Renes Lungen. So wurden die letzten 40km bis ins Ziel wieder zur Kampfsession und keine Erholung von Body and Mind. Am Ende büßten wir auch heute wieder Plätze ein und landeten abgeschlagen, mit einem Rückstand von 40min auf Brentjens/Paulissen auf Rang 42. Morgen soll der Tag wirklich hart werden!!

Was wirklich lecker ist, ist das Essen.





Tag 4 – Renes Kräfte kehren zurück!

Konnte gestern keinen Bericht mehr schreiben. Musste mich um mich selber kümmern. War total erledigt – von der Hitze, dem Tempo im letzten Anstieg (quasi Bergankunft) und einfach generell.

Oft frag ich mich schon, warum ich eigentlich Mountainbikerennen bestreite und nicht nur einfach durch dich Gegend rolle um die Natur zu genießen. So geschehen heute (gestern). Da fährst du durch ein Naturreservat in dem Pflanzen blühen und ihre Pracht entfalten, dass dir vor Staunen der Mund offen stehen müsste, und was machen wir, wir blicken zu Boden. Immer nur das Hinterrad des Vordermanns betrachtend, konzentriert und am Anschlag fahrend, versuchte ich Rene über diesen technisch extrem anspruchsvollen und holprigen „Jeep-Track“ zu folgen. Rene, wiedererstarkt, drückte mit seinem Fully auf dieser Rumpelpiste ordentlich aufs Gas. Nicht mal mit letzter Anstrengung konnte ich ihm dabei folgen. Aber auch keines von den anderen Teams, mit denen wir gemeinsam die ersten 60km gemeinsam bestritten. Im anschließenden Downhill musste ich mehr Risiko nehmen als mir eigentlich lieb war um wieder aufschließen zu können. Risiko vor allem in der Hinsicht, dass du dir einen Platten einfährst. Nach dieser rasanten Abfahrt waren Rene und ich alleine auf weiter Flur. Gemeinsam versuchten wir auf den letzten 30 Straßenkilometern (die letzten 20 davon leicht bergauf) alles aus uns heraus zu holen, um nicht von der Verfolgergruppe eingeholt zu werden. Doch vergebens war die Mühe. 1,5km vor dem Ziel ging eine 4Team-Verfolgergruppe an uns vorbei und ich konnte dieses Tempo nicht mehr mitgehen. Trotzdem können wir zufrieden sein mit unserem Abschneiden. Am Ende belegten wir Platz 21 und befinden uns in der Gesamtwertung auf Rang 24. Die aufsteigende Form Renes stimmt uns zuversichtlich, und wer weiß, vielleicht geht sich ja doch noch ein Rang und den Top20 aus.

Leider gabs an diesem Tag auch eine nicht so erfreuliche Nachricht. Der Microscooter (ein Drachenflieger mit Motor) stürzte – zum Glück in der Nähe des Zielgeländes – ab. An Bord der Pilot und Tom der Kameramann. Gott sei Dank ist beiden nichts Schlimmeres passiert und befinden sich schon wieder auf dem Weg der Besserung.


Zielort Barrydale


Radwäsche

Tag 5 – Eine Platzierung wie ein Sieg!

Heute lief es verdammt gut für uns. Wir erreichten das Ziel nach 110km und 1700hm als 13. mit nur 28min Rückstand auf den Außerirdischen Brentjens. Paulissen hat er, glaube ich, nur deshalb mitgenommen, weil es ein Partnerrennen ist, oder weil ihm sonst langweilig würde. Paulissen nach seiner Taktik gefragt, antwortete er: „Ich versuch einfach nur am Hinterrad von Brentjens zu bleiben und schrei halt, wenn es mir zu schnell wird.“ Diese Taktik scheint aufzugehen. Auf jeden Fall sind sie unschlagbar und spielen sich mit ihren Gegnern.

Nach dem wir das nette Kleinstädtchen Barrydale heute früh verlassen haben gings gleich mal 20km immer nur leicht bergauf. Für Brentjens heißt das großes Kettenblatt und hinten ein wenig hin und her schalten. Für alle anderen bedeutet so ein Anstieg, sich die Lungen und Muskeln fast zu zerreißen, solange mit maximaler Herzfrequenz zu fahren, bis sich eine Gruppe gefunden hat, die nach kurzer Erholungspause dann gemeinsam versucht den Rückstand nur langsam größer werden zu lassen. Zur allgemeinen Freude schützte uns heute ein bedeckter Himmel vor der direkten Sonnenbestrahlung. Eine Gefahr weniger auf die wir heute zufuhren. Heute durchquerten wir nämlich das „Sambona Game Reserve“ ein Reservat in dem alle „Big Five“ anzutreffen sind. (Elefant, Löwe, Büffel, Leopard und Rhino) Während der letzten Tage wurde ihnen das Fressen enthalten, um sie so richtig hungrig zu machen. Mit dieser Befürchtung legten wir einen ordentlichen Zahn zu und sprinteten mit annähernd 45km/h diese 10km auf ebener Forststraße durch den Park. Mancher Biker lief auf den immer wieder kehrenden Sandbänken auf und befreite sich unfreiwillig von seinem Rad. Aber nicht mal bei so leichter Beute ließ sich eines der „Großen Fünf“ blicken. So wurde diese Etappe eine reine Tempopolzerei bis es nach ca. 60km plötzlich links weg ging.
Was jetzt kam, war genau unseres. Technisch schwierige, steile Anstiege und „juhuu“ noch viel, viel technischere Abfahrten. Wie der Wind flogen wir unseren Begleitern davon, überholten mehrmals - mehrmals deshalb, weil diese uns immer wieder zurück überholten - Platt/Bresser und Sauser/Kessiakoff (nicht nur diese beiden Paare hatten mehrmals einen Platten) und fuhren gemeinsam mit den Führenden in der Masters-Wertung dem Ziel in Montagu entgegen. Dort standen, wie bei einer Bergankunft bei der Tour de France, auf den letzten 3km dessen Bewohner Spalier und hießen uns schreiend willkommen.
Absolut zufrieden mit unserem Abschneiden hoffen wir nun, dass es in den kommenden Tagen so weiter geht, der Himmel bedeckt bleibt, aber nicht zu weinen beginnt und in erster Linie, dass uns der Defektteufel fern bleibt und wir in keinen Unfall verwickelt werden.

Fehlen tuts uns hier an nichts. Wir leben auf einem 5Sterne Campingplatz mit komfortablen Duschen, herrlichem Essen und einer super funktionierenden Rundumbetreuung. Fast kommst du dir vor, als hätte jedes Team seine eigenen Serviceleute. Die Kinder vom Ort waschen dir die Räder und tragen jedem die Tasche zum Zelt, die Frauen und Mütter sorgen für die Zielverpflegung und waschen sogar die Wäsche. Aber all das wäre eine eigene Geschichte!

Tag 6 - Tag der Schei...ei und der Kurzzeitführung!

Was ich die ganzen Tage über vergessen habe zu erwähnen ist, dass noch ein dritter Österreicher an diesem Rennen teil nimmt und sich so nebenbei ausgezeichnet schlägt. Gemeinsam mit seinem südafrikanischen Partner Kevin Evans erkämpfte sich gestern Silvio Wieltschnig den 2. Podiumsplatz und liegt nun, nach weiteren ausgezeichneten Platzierungen, in der Gesamtwertung auf Rang 4 noch vor Platt und Bresser.

Zum Glück beginnen die ersten Kilometer immer neutralisiert. Jeder Kilometer an dem andere die Arbeit übernehmen erleichtern einem die noch verbleibenden Kilometer. Heute warf die Sonne wieder ohne Erbarmen ihre Strahlen auf uns bikenden Erdlinge hinunter - und sie trafen und schmerzten. Es regnete zwar an den letzten beiden Tagen jeweils abends, zuwenig aber um den Staub der sich in die Lungen frisst zu binden.
Nach der offiziellen Freigabe des Starts traten wir wie die Wilden eine sandige Forstraße bergauf und versuchten verzweifelt vorne dabei zu bleiben, denn nach diesem nicht all zu langen Anstieg führten die nächsten 60km über nahezu flache Asphalt- und Forststraßen. Was das heißt brauch ich eh nicht mehr zu sagen. Uns gelang in der zweiten Gruppe Unterschlupf zu finden und rollten mit dieser dann gemächlich über die Landstraße. Nach ca. 40km liefen wir dann auf die Führungsgruppe auf, die noch gemächlicher dahin pedalierten, um auf die Pechvögel Platt/Bresser zu warten, aber vergeblich! So wurden die darauf folgenden 30km zur Erholungsfahrt mit Puls 115 (für mich - Paulissen hatte 95) und ermöglichten Rene die Gelegenheit einmal die Spitze des Feldes zu übernehmen. Von hinten schlossen auch immer mehr Teams auf.

Doch dann, ur plötzlich der totale Gegensatz. Nach einem Rechtsknick schickten uns die Veranstalter über eine senkrechte Steigung mit losem steinigem Untergrund hinauf. Als Österreicher das bergsteigen gewohnt, marschierten wir unaufhaltsam dem Gipfel entgegen und entfernten uns dabei weiter und weiter von unseren direkten Gegnern. Die absolute Spitze wanderte aber trotzdem schneller (auch wenn sie nicht aus Österreich oder der Schweiz kamen).

Wir waren durch nichts aufzuhalten, dachten wir, doch dann begann es Rene zu drücken und er verschwand hinter den Büschen. Er musste nicht für kleine Jungs, sonder für Große. Während dessen krabbelten die bereits abgehängten Teams wieder an uns heran und das Rennen begann von neuem. Eine technische Abfahrt selektierte jedoch wieder die Gruppe und es blieb nur ein kleiner Haufen über der sich dem Ziel entgegen bewegte. Dieser kleine Haufen wurde an einem unerwartet, steilen Anstieg kurz vorm Ziel noch einmal aufgesplittert und so erreichten die Teams einzeln das Ziel in Villiersdorp, einem netten 800selen Dorf.

Mich überfielen leider, nach der Einnahme von einer Gelsorte welche meinem Magen unbekannt waren und mir von einem Oberbayern empfohlen wurden, Krämpfe im Magen-Darm-Bereich, sodass ich die letzten Kilometer nicht mehr voll fahren konnte und wir daher noch Plätze verloren. Trotzdem finishten wir als 15. mit nur 32min Rückstand auf den Außerirdischen und sind weiter im Vormarsch im Gesamtklassement.
Silvio, im Übrigen, wurde heute wieder 4.

Zurzeit (20 Uhr) halten leider die Magenprobleme noch an und hoffe daher bis morgen wieder voll fit zu sein, denn morgen gibt's "a lot of climbing"!


Oberbayrische Verbrecher


Silvio und Kevin

Tag 7 - Unternehmen Cape-Epic für uns gescheitert?

Heute Morgen herrschte eine eigenartige Stimmung am Start. Ruhige Musik anstelle der Stimmungsmacher und der sonst (zu)laut aus den Lautsprechern schallenden Stimmen der Startsprecher. Jeder wunderte sich, fand es aber angenehm. 5 Minuten vor dem Startschuss die Erklärung. Um 1 Uhr nachts ist ein südafrikanischer Teilnehmer im Schlaf von uns gegangen. Nach einer Schweigeminute rollte das Fahrerfeld im Trauerflor aus dem Startbereich.

Wie ich gestern erwähnte sollte es heute unser Tag werden und so begann er auch. 650hm in einem Stück, das erste uns einzige Mal über 1000m Seehöhe, und das auf steilem, schottrigen Untergrund, ein Anstieg wie für uns gemacht. Außerdem fühlten wir uns stark und rund um gesund, daher kletterten wir wie Ziegen diesen Anstieg hinauf und überquerten die Anhöhe sogar als 9. Oben ein unbeschreibbarer Ausblick. Herrlicher Sonnenschein und 200hm tiefer die hängende Wolkendecke links und rechts des Grades der zum höchsten Punkt führte. Die anschließende Abfahrt fühlte sich an wie ein Sprung von einer Klippe ins Meer. Doch kurz bevor wir eintauchen konnten in diese weiße Gischt wurden wir von einem Doppelplatten (vorne und hinten an meinem Rad) je von diesem rauschartigen Zustand herausgeholt.

Auch mal Pech gehabt, dachten wir uns, wechselten die Schläuche und setzten diesen freien Fall fort und verschwanden im Nebel. Da wir im Aufstieg einen Vorsprung herausgefahren hatten, und eine der schnellsten Abfahrer sind, konnten wir sehr bald wieder Anschluss an unsere unmittelbare Konkurrenz finden. Im anschließenden 25km langen Verbindungsflachstück zum Anstieg in den Franschhoekpass wurde so schnell gefahren, dass Rene und ich mit absolut letzter Anstrengung, teilweise sogar schreiend vor schmerzenden Muskeln, im Windschatten folgen konnten. Im Asphaltanstieg hinauf zum Pass wurde das Tempo jedoch nicht zurückgenommen und ich litt wie ich noch nie zuvor während der letzten sechs Tage gelitten hatte und konnte trotzdem die "Base" nicht halten. Rene half mir über diese Schwächephase hinweg und übernahm alleine die Tempoarbeit für die nächsten 20km, bis hin zum nächsten Anstieg im "La Motte Forest Reserve". Er fuhr dabei so stark, dass wir auf die zuvor Enteilten wieder aufschließen konnten. Überrascht von dieser Situation kehrten meine Kräfte und mein Kampfgeist wieder, vor allem weil wir spüren konnten, dass einigen Teams der Saft auszugehen drohte. Das Schicksal welches uns unmittelbar danach ereilte, auf den letzten 15km bis ins Ziel, war zu erst zum weinen (ich vergoss wirklich fast Tränen), dann zum Schreien und später dann schon zum Lachen. 5 Platten, warten bis jemand mit Schläuchen aushalf, löchrige Schläuche eingebaut, CO2 Patronen ausgegangen, Luftpumpe verloren, wieder warten - auf Schlauch und Pumpe, schieben, sitzen und warten und die letzten 7km mit einem Schleicher ins Ziel fahrend. Zeit, die wie die Ewigkeit vergeht und genauso weit liegen wir nun auch zurück, nämlich eine kleine Ewigkeit.



Letzter Tag - Tag der Erlösung!

Geschafft! 901km und 1600hm geradelt, in Summe auf 3000 Grad Celsius erwaermt worden und 70 Kubikmeter Staub geschluckt, viele Probleme gehabt und trotzdem können wir zufrieden auf die vergangene Woche zurückblicken.

Der heutige Tag war, wie schon im vergangenen Jahr, aus fahrtechnischer Sicht das absolute Highlight. Die Etappe war zwar nur 45km lang, führte aber mit einem Gesamtanstieg von 1300hm über Singletrails, Wälder und durch Bäche und hatte vor allem keine Flachstücke.
Gefahren wurde wie bei einem Crosscountryrennen - volle Wäsch, wobei das individuell schnell ist. Unsere "volle Wäsch” reichte heute für Rang 15 und das bei einer recht beachtlichen Fahrzeit. Gewonnen hat diese Etappe - na wer wohl - ja richtig, Brentjens/Paulissen, die bis auf eine (worüber sie nicht sehr glücklich waren) alle Tagesankünfte für sich entscheiden konnten. Hamsterbart!!! 1h51min benötigte er für diese Sprintstrecke, 2h11min wir, nicht schlecht oder!? Dabei hatten wir auf den letzten 5km wieder einen Plattfuss. Insgesamt beendeten wir das Rennen auf Rang 23, glaub ich. Überraschend 3. wurde Silvio Wieltschnig und Kevin Evans und Roan und Petr belegten am Ende Rang 6.

Nun ist sie zu Ende die zweite Cape-Epic. Ein Rennen, das ich nur empfehlen kann. Es ist perfekt organisiert, unter den Menschen (Mitstreiter und Begleiter) die man täglich trifft, fühlt man sich wie in einer großen Familie. Das Organisationsteam ist um jeden bemüht und jederzeit bereit zu helfen.

Wer also im nächsten Jahr an der Cape-Epic teilnehmen will, schaut am besten auf die Hompage www.cape-epic.com. Stattfinden wird sie Ende April 2006, trotzdem nicht zu lange Zeit lassen für die Anmeldung, denn die Startplätze gehen weg, wie die warmen Semmeln.

Nun möchte ich mich noch bedanken: Zu aller erst bei Sonja und Mike, für ihre hervorragende Arbeit und dafür, dass wir mitfahren durften. Bei Kevin, Shanni und allen Leuten des Organisationsteams aus Südafrika - they have done a fantastic job!! Bei allen Helfern und speziell bei den Jungs und Mädels der University of Stellenbosch für die tägliche Massage.

Besonders geht mein Dank an Siemens und Audiorama für ihre finanzielle Unterstützung und an alle Sponsoren und Betreuer.

Auf jeden Fall komm ich wieder - I'll be back!

Grüße Laurenz und Rene

Streckenplan und Höhenprofile


 Stage 1 (20 KByte)

 Stage 2 (20 KByte)

 Stage 3 (19 KByte)

 Stage 4 (20 KByte)

 Stage 5 (20 KByte)

 Stage 6 (20 KByte)

 Stage 7 (21 KByte)

 Stage 8 (20 KByte)



Zurück





Diese Seite wurde bis jetzt 7995 Mal besucht

Newsletter / Sitemap / Impressum

Powered by Silverserver / Hosted by NYX Sportmanagement GmbH
© 2002-2019 by 2RadChaoten.com. All rights reserved.