2RadChaoten.com Stories Mountainbike Berichte 2006 TransCarpatia 2006

Unternehmen TransCarpatia 2006

Die Rückkehr nach Polen

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Schrieb ich im vergangenen Jahr noch, dass es vermutlich kein anstrengenderes Rennen gibt als die Transcarpatia, so muss ich mich für heuer korrigieren. Nach unseren bisherigen Erfahrungen (Crocodile-Trophy, Cape-Epic, usw.) gibt es nämlich absolut sicher kein anstrengenderes Rennen als die Transcarpatia.

Letztes Jahr mussten sich Gregor (NoTri) und ich (NoRmal) noch von der unendlichen Wildnis Südpolens geschlagen geben, doch in diesem Jahr schlugen wir zurück.
Der Start der diesjährigen Austragung dieses 7-Etappenrennes befand sich wieder in dem verschlafenen Dorf Ustrzycki Dolne an der ukrainischen Grenze. Die Strecke verlief entlang der polnisch-slowakischen Grenze über sämtliche bebikebaren Gipfel der polnischen Karpaten und Tatra bis hin nach Wisla an die tschechische Grenze. 160 Zweierteams, darunter neben uns auch Andi Rief (NoWay) und Christian Gigon, starteten den Versuch diese 500km und 14tausend Höhenmeter so schnell als möglich zu überwinden. Doch der teilweise wadentiefe Schlamm und die extrem technischen Uphills und Downhills machten es uns allen nicht leicht durchzustehen. Hinzu kommt bei diesem Rennen noch, dass Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit allein nicht ausreichen um zum Ziel zu gelangen, geschweige denn zu gewinnen, sondern auch Navigations- und Orientierungsfähigkeiten von Nöten sind. Der Track ist nämlich nicht wie üblich mit Pfeilen markiert und vorgegeben, sondern es sind nur Checkpoints und der Zielort bekannt, die mit Hilfe einer detailgenauen Wanderkarte (1:50000 bis 1:60000) angefahren werden müssen.


Oft stundenlange Wartezeit für die Radwäsche


die kamera immer auf uns gerichtet


zelte oder turnsaal? schlaf fand man überall!


die chaoten kräftig am podest vertreten


stolze sieger!!


Letztes Jahr scheiterten Gregor und ich an den (ich nenn´s mal) "geistigen" Fähigkeiten und verirrten uns so tief im Wald, dass wir das Rennen am vorletzten Tag aufgeben mussten. Heuer jedoch konnten wir uns besser auf diese zusätzlich notwendige Qualifikation einstellen und hatten zudem die Möglichkeit von zwei ausgezeichneten Navigatoren und Orientierungskünstlern zu lernen. Andi und Gigi erwiesen sich als Meister dieses (ihres) Faches und gelangten immer ohne Umwege ans Ziel. Leider versagte am fünften Tag eins von Gigis Knien, so dass sie die sechste Etappe nicht mehr in Angriff nehmen konnten.
Wir lagen zu diesem Zeitpunkt auf dem dritten Gesamtrang, hatten bereits einen Tagessieg eingefahren und immer noch Chancen auf den Gesamtsieg.

Doch dann diese sechste Etappe! Gemeinsam mit den führenden Belgiern (Kris Hertsens und Kris Henderieckx - Doublekris) reichte es uns nicht einfach hinter den Lokalmatadoren und Favoriten, den letztjährigen Siegern vom Future-Orbea-Team, nachzufahren, nein, wir wollten ihnen ordentlich Paroli bieten und fuhren mit Kris und Kris vorne weg. Doch dieses Unternehmen ging ziemlich in die Hose. Bereits nach 17km bogen wir ins falsche Tal ab und mussten, um zum 2. Checkpoint zu gelangen, den ganzen Berg umfahren. Den darauf folgenden Anstieg nahmen wir dann als letzte des gesamten Feldes in Angriff. Das hatte etwas Motivierendes, weil wir ständig am Überholen waren. Weniger motivierend war dann, dass wir nach nur wenigen Kilometern dieselben Biker wieder überholen mussten, weil sie den besseren Weg gewählt hatten. Und das kam an diesem Tag mehrmals vor.
Der Vorsprung auf das gesamt viertplatzierte Team war zwar groß, doch wussten wir ja nicht, wie es ihnen an diesem Tag ergehen würde. Nach einer 108km langen Irrfahrt (30km mehr als der bestmögliche Weg!) und einer Fahrzeit von über 6 Stunden, nahmen wir den Zielanstieg in Angriff. Wir waren der Meinung irgendwo im hinteren Drittel ins Ziel zu kommen, weil wir auf diesem Anstieg Teams überholten, die sonst ganz hinten zu finden waren. Die Überraschung war extrem groß, als wir 6. waren, gerade mal 50 Minuten hinter den Siegern vom Future-Orbea-Team und auch die Belgier, die wir unterwegs "verloren" hatten, erst 2 Minuten hinter uns das Ziel erreichten.

So kann´s einem bei diesem Rennen gehen! Den 3. Gesamtrang haben wir erfolgreich und unter großen Anstrengungen verteidigt und auf der letzten Etappe nicht mehr unnötig in Gefahr gebracht.
Das Rennen ist eine unglaubliche Herausforderung an Körper, Geist und Material. Die technisch sehr, sehr schwierige Strecke zwang viele Biker zur Aufgabe. Gerade mal 90 der 160 Teams haben das Ziel erreicht, die Räder sind, gepeinigt durch Schlamm, Geröll und Stürzen, nur mehr ein besseres Ersatzteillager und die Körper verschwiegen nicht ihre Wunden - Knochenbrüche standen auf der Tagesordnung!
Doch für all das sind wir durch eine atemberaubende Landschaft, unglaubliche Trails und nette Bekanntschaften entschädigt worden.

Erschöpft, aber glücklich, besonders darüber nicht wieder in den unendlichen Weiten der polnischen Landschaft verloren gegangen zu sein, haben wir nach einer Gesamtfahrzeit von 30 h 39 min das Ziel als 3. erreicht. Zudem konnten wir eine Etappe gewinnen und drei weitere auf dem dritten Platz beenden. Die Gesamtwertung gewonnen haben die Jungs vom polnischen Future-Orbea-Team in 29 h 15 min vor den beiden Belgiern Kris + Kris (Doublekris) in 29 h 43 min.

Südpolen ist wirklich nur ein Katzensprung von Wien entfernt (der Zielort liegt gerade mal 350km in exakt nördliche Richtung)
Jeder, der einmal ein Etappenrennen zu einem vernünftigen Startgeld bestreiten will, sollte einen Blick über die nördlichen Grenzen wagen. Die Transcarpatia, aber auch die vor zwei Wochen ausgetragene Bikechallenge sind tausendprozentig eine Reise wert!









 Ergebnisse, weitere Fotos und Streckenpläne

 noch mehr fotos finden sich auf www.napieraj.pl

 Bikechallenge

Tagesablauf NoTri

6 Uhr: Der Wecker läutet 3 h vor dem Start, meist bin ich schon kurz vorher munter. Ich bleibe aber noch 5 Minuten liegen um mich geistig auf den bevorstehenden Tag vorzubereiten.
Ist noch etwas am Bike zu machen?
Ist der Weg heute klar?
Was ist das Ziel und die Taktik?
Kurz nach 6 Uhr stehe ich auf. Morgentoilette, Radklamotten und Rucksack checken. Anders als Laurenz brauche ich am Morgen eine halbe Stunde bis Stunde bis ich etwas essen kann. Am Abend davor habe ich mein "Trinkfrühstück" (gemahlener Hafer & Dinkel, Babynahrung & eventuell etwas Proteinpulver mit Wasser und Sojamilch) angesetzt. Das trinke ich neben dem normalen Frühstück, das ich aber nicht jeden Tag zu mir nehme, bis ca. 1,5 h vor dem Start.
Je nachdem ob am Rad noch etwas zu tun ist, gebe ich 1 bis 1,5 Stunden vor dem Start meine Tasche(n) ab. 30 bis 40 min vor dem Start wird noch aufgewärmt.
5 - 10 vor dem Start wird Aufstellung genommen.

Zielankunft zwischen 12 und 15 Uhr.
Als erster wird bei der Ziellabe ordenlich getrunken und verpflegt.
Die Reste aus den Trikottaschen gegessen oder weggeschmissen.
Infos werden eingeholt wo sich Bikewäsche, Duschen und Quatier befinden, bzw. ob Zelte schon aufgestellt sind.
Radwäsche folgt als erstes, da hier die Wartezeiten später oft empfindlich lange sein können.
Danach Gepäck ausfassen bzw. darauf warten bis es ausgeladen wird (war nur einmal der Fall). Bike wird an einem sicheren Ort abgestellt bzw. abgesperrt.
Danach Dusche und frisches Gewand anziehen.
Das Quatier/Zelt wird bezogen. In der Zwischenzeit wird immer wieder eine Kleinigkeit gegessen und getrunken.
Es folgt die erste offizielle After-Race Verpflegung (Suppe oder Nudeln mit Topfen und Zucker)
Danach kurze Pause bis es daran geht das Bike zu warten.
Ab ca. 18:00 bis 18:30 folgt das Abendessen. Anschließend Siegerehrung
Der Etappe und eventuell Ausgabe der Pläne für die folgenden 2 Tage.
Danach 2tes Abendessen und "Lagebesprechung"
Ab 21:30 bis 22:00 Regeneration mit Compex, Dehnen etc.
23:00 bis 24:00 Ohropax rein und schlafen.


Kris + Kris = Doublekris



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